Kurze Meldungen des Tages und eine Vergleich von Jean Todt und Ari Vatanen
- Toro Rosso hat Sebastian Bourdais mit sofortiger Wirkung entlassen. Er wird wohl durch das spanische Nachwuchstalent Jaime Alguersuari ersetzt. Der Rauswurf kommt nicht ganz unerwartet, zu mal man eigentlich schon mit seiner Entlassung im Winter zu rechnen war. Die kam jedoch nicht zustande, weil Red Bull keinen adequaten Ersatz gefunden hat und man zudem hoffte, dass Bourdais seine Erfahrungen aus der ChampCar Serie (Slicks, mindere Aerodynamik) würde einbringen können. Das geschah nicht und er lag zu dem hinter Rookie Buemi meist deutlich zurück. Das man jetzt vermutlich Alguersuari in den Toro Rosso setzt ist aber auch nicht ohne Risiko. Der Spanier konnte zwar die britische F3 im letzten Jahr gewinnen, aber in den anderen Serien überzeugte er bisher nicht. Zum dem ist er gerade mal 19 Jahre alt. In Sachen Sponsoren ist es aber kein schlechter Schachzug, steht der Valencia GP doch noch an. Wenn Alguersuari nun im Cockpit sitzt, heißt das noch lange nicht, dass er auch 2010 dort sein wird. Es gibt handfeste Gerüchte, die besagen, dass Sebastian Loeb sich in der Rally-WM langweilt und gerne in die F1 wechseln würde.
- Kevin Harick soll angeblich bei RCR um seine Vertragsauflösung gebeten haben, damit er zu Stewart-Hass wechseln kann. Bei RCR reagiert man ob der Gerüchte mit der üblichen Ankündigung, dass Harvick bis 2010 einen Vertrag hat und man davon ausgeht, dass er diesen auch erfüllt. Für RCR ist die Sache nicht unproblematisch, denn Harvick ist eng an den Sponsor Shell gebunden. Man müsste Shell schon einen hochkarätigen Ersatz bieten, doch wer sollte das sein? McMurray und Vickers werden am Ende des Jahres wohl frei (wenn sie nicht vorher verlängern) Ambrose wäre eine Variante, aber nur Vickers hat wohl den Namen, den man bei RCR braucht. Interessant auch in dem Zusammenhang: wo holt Stewart den Sponsor für den dritten Wagen her, wenn er die #39 für 2009 nicht mal komplett mit Sponsoren belegt hat?
- Neben Ari Vatanan hat nun auch Jean Todt seine Kandidatur für die FIA-Präsidentschaft bekannt gegeben. Erwartet hatte man das schon länger, und geziert hat sich der Franzose auch nicht. Offenbar hat er in den letzten Monaten eng mit Max Mosely zusammen gearbeitet und war vor allem auf Stimmenfang in all jenen Ländern, die Mosley in den letzten Jahren immer wieder die Stange gehalten haben. Mosley selber unterstützt die Kandidatur von Todt. Damit wird angedeutet, dass der ehemalige Ferrari-Chef eher den Konfrontationskurs der FIA weiter fahren würde. Wenn jetzt viele sagen, dass Todt dann seinen ehemaligen Rennstall bevorzugen würde, muss man dazu wissen, dass er und Montezemolo nicht allerbesten Freunde sind. Gerüchteweise ist Todt nicht so ganz freiwillig von seinem Posten als Ferrari-Chef zurück getreten. Er habe sich vor allem gegen die Einmischung von Montezemolo in die Teamangelegenheiten verwahrt. Auch seien die Personalentscheidungen nicht in seinem Sinne erfolgt.
Auf der anderen Seite hat man mit Ari Vatanen einen Mann, der wohl eher von den Herstellern und den großen Verbänden gefördert wird. Das sich die FOTA freudestrahlend hinter Vatanen gestellt hat, zeugt davon, dass die Kandidatur nicht ganz zufällig gekommen ist. Vatanen war von 1999 bis Juni 2009 Mitglieds des europäischen Parlaments und hat sich dort um Dinge wie Fahrzeugbesteuerung und Verkehrspolitik gekümmert. Alles Dinge, die eine enge Zusammenarbeit mit der Hersteller-Lobby erfordern. Bei der letzten Europawahl verlor er sein Mandat und – schwupps – kandidiert er bei der FIA.
Beide Kandidaten sind in Sachen Motorsport allerdings sehr erfahren. Die Historie von Todt ist bekannt, Vatanen ist in den letzten Jahren immer wieder noch mal bei Rally-Raids wie der Dakar angetreten. Die WRC dürfte sich freuen, wenn Vatanen die Wahl gewinnen sollte.
Wer nun der bessere Kandidat ist? Schwer zu sagen. Todt ist derjenige, der lieber im Hinterzimmer vor sich hin politisiert, wie diverse Vorfälle mit der FIA und bei Ferrari belegen. Er ist eher ein Technokrat, aber auf der anderen Seite einer, der das Geschäft von jeder Seite herkennt und sich von einem Briatore oder Ecclestone nicht über den Tisch ziehen lassen wird.
Vatanen sagt mir zu wenig. Seine Zeit im EU Parlament kann man (zumindest die letzte Sitzungsperiode) hier nachsehen, aber spektakuläres ist da nicht bei. Ein braver Abgeordneter für die Europäischen Volkspartei (Christdemokraten). Wer ihn dann so plötzlich aus dem Hut gezaubert hat, nachdem seine erneute Kandidatur für das Parlament in die Hose ging, wäre eine interessante Frage.
Die FIA ist eine französische Behörde, also könnte man sich vorstellen, dass Todt da eher eine Hausmacht hat. Vatanen selber lebt aber seit knapp 20 Jahren in Frankreich und zog auch 2004 für die französischen Konservativen ins EU-Parlament ein obwohl er weiterhin einen finnischen Pass hat. Auf Grund seiner politischen Tätigkeit im Bereich Transport/Verkehr dürfte er auch gute Kontakte in die FIA haben, allerdings nicht im Bereich des Motorsports.





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Danke für die Aufklärung zu Vatanen und Todt. Schöner übersichtlicher Vergleich :-)
ich glaube für bourdias wäre es vielleicht besser gewessen 1 oder 2 runden gp2 zufahren. halt je nach dem ob er damals überhaupt einen angebot oder die möglichkeit gehabt hätte.
beim timo glock hat es ja auch gefunzt. und er ist kein 4 facher champ car champion.
Ich hatte bisher immer Boudais die Daumen gedrückt.
Was soll ich nun machen ???