Obwohl an der Spitze nicht allzu viel passierte, war das Rennen selber doch gar nicht so schlecht. Mittlerweile tut sich auch wieder was in Sachen FIA/FOTA.
Das Rennen in Silverstone war nach der ersten Runde eigentlich schon vorbei. Als Sebastian Vettel in einer runde ganze 1.5 Sekunden Vorsprung auf Rubens Barrichello raus fuhr, war die Sache durch. Nach zehn Runden waren es 10 Sekunden und so ging das immer weiter. Wie in seligen Schumacherzeiten fuhr Vettel vor seinem ersten Boxenstopp einen so großen Vorsprung heraus, dass er sogar nach dem Stopp locker in Führung bliebt. Der Red Bull war allen anderen Fahrzeugen im Feld haushoch überlegen und die einzige Chance der Konkurrenz bestand darin, dass der Renault-Motor schlapp machen würde. Tat er aber nicht und Vettel konnte ein grandioses und ungefährdetes Rennen abliefern. Dahinter ging es bedeutend enger zu und vor allem im hinteren Mittelfeld wurde grandios gekämpft.
Aber wer hätte gedacht, dass ein verbissener Zweikampf zwischen einem Renault, einem McLaren und einem BMW um Platz 14 geführt werden würde? Aber letztlich war das egal, denn Alonso, Heidfeld, Piquet und Hamilton verschenkten im ersten Stint keinen Zentimeter an den Gegner und vor allem Alonso und Heidfeld waren in einem innigen Kampf verstrickt. Und weil vorne nichts los war blieb die britische Regie auch dankenswerterweise runden lang bei diesem Zweikampf. So konnte man sehen, dass auch ganz hinten heftig gekämpft wird. Heidfeld muss man für seinen Einsatz wirklich loben, denn einen Doppelweltmeister, der zudem das eigentlich schnellere Auto hatte, hinter sich halten zu können, ist schon eine grandiose Leistung.
Das die Brawn vorne nicht mithalten konnten war eine kleine Überraschung. Ross Brawn meinte nach dem Rennen, dass man schon nach den ersten 10 Runden in Training gewusst habe, dass es sehr schwer werden würden. Das Grundproblem des Brawn besteht darin, dass er die Reifen nur langsam auf Temperatur bringt. Die Vorteile sind bekannt, in Silverstone hatte man aber mit zwei Dingen zu kämpfen. Zum einen war die harte Mischung für die Brawn zu hart, dazu kam, dass es zu kalt war. Mit den weichen Reifen ging es einigermaßen, mit den harten ging aber nichts. Button und Barrichello hatten vor allem Probleme mit den Vorderreifen, die einfach nicht warm wurden. Das führte zu massivem Untersteuern, was keine gute Sache in den schnellen Passagen ist. Teilweise waren die Reifen so kalt, dass die Fahrer auf der langen Gerade kurz zickzack fuhren. Warum man dann aber Barrichello mit den harten Reifen auf einen langen zweiten Stint schickte, ist mir ein Rätsel. Wäre es nicht besser gewesen, man hätte den etwas kürzer gehalten? Immerhin war er Brawn aber noch schnell genug, um den Rest des Feldes hinter sich zu halten.
Klar ist, dass Red Bull einen mächtigen Schritt nach vorne gemacht hat. Wobei man aber auch hier vorsichtig sein sollte. Denn einerseits passt dem Red Bull die Strecke besser als dem Brawn, zum anderen kommt der RB auch besser mit der Kälte zurecht. Die harten Reifen spielten auch eine grosse Rolle. Das alles wird sich am Nürburgring in drei Wochen aber wieder ändern und dann werden die Karten neu gemischt.
Nico Rosberg wurde fünfter, hinter einem stark fahrenden Massa. Der Deutsche freute sich trotzdem, denn einerseits hatte man den Speed der Ferrari und der Toyota, zum anderen zeigte man auch, dass man einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Man wird nicht an die Brawn und die Red Bull rankommen, aber wenn als Privatteam dahinter liegt, hat sicher einen sehr guten Job gemacht. Das zeigte auch Nakakjima, der im ersten Stint auf Platz vier lag. Weil er aber sehr früh an die Box musste, verlor sich seine Spur dann im Mittelfeld. Dennoch muss man die Arbeit schon loben. Man kann kaum erwarten, dass das notorisch klamme Team mit den Werksteams auf Dauer mithalten kann, aber in diesem Jahr scheinen die ja sowieso alle verwachst zu haben.
Für die WM war der Sieg von Vettel natürlich gut. 25 Punkte hat Button noch Vorsprung und die Saison ist ja gerade zur Hälfte rum. Wie üblich sieht man ein Team in einer gewissen Schwächephase, aber ich würde mich nicht darauf verlassen, dass das am Ring auch so ist. Silverstone, das bestätigen Red Bull und Brawn, war mit seiner Mischung aus Kälte und wenig Grip ein Sonderfall.
Im Hintergrund ging es natürlich auch weiter um die Politik. So weit ich das sehen kann, hat die FIA ihre Androhung einer Klage gegen die FOTA-Teams zurück genommen. Ich nehme an, das Bernie Ecclestone da nicht ganz unschuldig an der Entscheidung war, denn ein Prozess hätte eine Einigung in weiter Ferne gerückt. Zu dem drängt die Zeit für beide Seiten. McLaren sieht den allerspätestens Termin für den Start einer eigenen Serie Ende Juli. Der Mann weiß sicher was er sagt, aber ich glaube, dass da jeder Tag zählt. Eine Klage hätte der FOTA keine Wahl gelassen, als eine Serie zu starten.
Mosley sprach gestern gegenüber Premiere von einer “baldigen Lösung”. Am Freitag meinte er noch, dass eine Lösung weit, weit weg sei. Allerdings war es auch die FIA, die als erste gezuckt haben. Man lässt die Nennliste weiter offen. Was nichts anderes bedeutet, dass man nicht genügend Teams hat, um den Ausfall der acht FOTA-Rennställe zu kompensieren. Lola ist weg, ebenso N.Technology (deren Nennung ich nie ernst genommen habe), Prodrive hat schon Bedingungen gestellt. Bleiben Litespeed (Lotus), Euskadi, Superfund und Brabham. Aber ausser Euskadi hat kein Team die nötigen Ressourcen um bis zumm März einen Wagen auf die Beine zu stellen. Es ist nicht nur mir ein Rätsel, wie man in sechs Monaten einen Formel Eins Wagen bauen will. Zudem dürften Mosley die Sponsoren und TV-Stationen aufs Dach gestiegen sein. Man sollte seine gestrigen Aussagen eher als Zweckoptimimus sehen.
Heute hat der bisher recht stille Flavio Briatore nachgelegt. Er machte in einem Interview klar, dass er kaum noch Möglichkeiten einer Einigung sieht. Auch nicht, wenn die FIA am Mittwoch Mosley absägen würde, wovon aber auch kaum jemand ausgeht. Der Druck in der FIA, bei einer Abwahl Mosleys erst recht wie die Volldeppen da zu stehen, ist recht groß, zudem ist die Verzahnung zwischen der FOM/CVC und der FIA so groß, dass ein Nachfolger auch nicht viel ändern könnte. Der Name Jean Todt schwirrt als Nachfolger von Mosley mal wieder durch den Raum, weil man glaubt, dass er besser mit den Teams, insbesondere Montezemolo kann, aber es gibt auch Gerüchte, dass Todts Abgang bei Ferrari auch aus Ärger über seinen Chef geschah. In so fern glaube ich Mosley, wenn er sagt, dass sein Rücktritt gar nichts ändern würde.
Interessanterweise ist aber die nächste Sitzung der FOTA für Donnerstag angesetzt, also nach dem Meeting des World Council am Mittwoch. Man kann davon ausgehen, dass das kein Zufall ist. Ebenso wenig wie die heutigen Attacken von Briatore. Und ich würde mich wundern, wenn es morgen und am Mittwoch nicht noch weitere seitens der Hersteller gibt. Kann also gut sein, dass man in den nächsten 48 Stunden sogar noch die Meinung des ein oder anderen Vorstandsvorsitzenden zu hören bekommt.
Und sonst?
Vorschau: Die Superleague startet doch tatsächlich in einen zweite Saison in Magny Cours, DTM und Euro F3 auf dem Norisring, die F2 ist in Spa, die IRL in Richmond und die NASCAR fährt in New Hampshire.





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Kurz noch mal zu den Brawns und den kalten Reifen. In einem BBC-Gespräch führt Brawn die Probleme auf die Streckencharakteristika zurück. Die großen Stärken der Brawns liegen im exzellenten Anbremsen. Kein Auto liegt beim Bremsen besser auf der Piste als der Brawn, kein Auto geht schonender mit den Reifen beim Bremsen um, als der Brawn. Ohne dieses Anbremsen, wie es auf dem Kurs von Silverstone mit seinen mittelschnellen Kurven der Fall ist, bekommen sie aber die Reifen nicht auf Temperatur. Auch nicht auf langen Stints.
Was mir ja am Sonntag auch sehr gut gefallen hat, war die Podiumszeremonie, die war sehr stimmungsvoll dieses Mal, find ich. Es gab mal wieder “richtige” schöne Pokale, die Red Bulls haben Newey aufs Podium geschickt, was er sich verdient hat fürs gute Kopieren (er hat allerdings einen von diesen schäbbigen Sponsoren-Logo-Pokalen gekriegt), die deutsche und die österreichische Hymne sind ne schöne Kombo und der Sieger war auch richtig glücklich. Und ich glaub sie haben dieses Mal auch die Champagner-Flaschen oben behalten, das zum-Team-runterwerfen hat sich irgendwie auch mächtig abgenutzt, wenn das jeder immer macht…
Außerdem find ich, dass Schulz und Surer wirklich in Top-Form waren und so das ohnehin kurzweilige Rennen noch besser machten :-)
Reifen hin oder her, aber wenn Barrichello im gleichen Auto Dritter werden kann, müsste Button das schon lange können? Nicht, dass es mich nicht freuen würde, wenn der Kampf um die WM doch noch mal spannend würde (wovon ich aber nicht ausgehe).
@ich: ja komm, voll schade für den barri, da ist er mal schneller als Button, kann das auch im rennen umsetzen(inkl. eines sehr guten starts) – und da kommen die red bulls mit ihren neuen aero-kompnenten her und fahren ihm um die ohren. poor rubens.
nachtrag:
- alle leute mit gerade startnummern hattens schwer(nochmal umso höher ist rubens guter start einzuschätzen)
- natürlich glückwunsch für den vettel, der hat das verdient.
- findet ihr auch das das santander logo wie nen dampfender hundehaufen aussieht?
- BBC vor/nach-berichterstattung war exzellent ( wie waren die anderen? )
@abductee: Hab nur die Nachberichterstattung bei Premiere gesehen, keine Vorberichte wegen FIA-GT. Die waren aber ganz nett, weil man statt Keke Rosberg dieses Mal (keine Ahnung wo der schon wieder ist, aber er geht mir eh jedes Mal mehr auf den Keks, nachdem ich ihn anfangs mal mochte) Marc Surer und Heinz Prüller zum Lauterbach gestellt hat, das war recht unterhaltsam.
Beim Thema Vorberichte bekomme ich auch 2 Tage später noch böse Flashbacks. RTL & Premiere praktisch gleichzeitig mit einem Beitrag, der verschiedene Stimmen zum Fia-Fota-Bruch gegen Aufnahmen der Maulwurfkamera vor Start/Ziel schnitt.
Mehrwert höchstens in den durch die Kamerapositionen bedingten verschiedenen Blickwinkel auf die jeweils Palavernden. (“Aha, so sieht also Fernando Alonso von weiter links aus.”) Konnte mich gerade so noch zurückhalten, nicht auf der Stelle 3 sky-deutschland-welt-universum-komplett-total-allesundnochvielmehr-Abos abzuschließen.
Bei RTL hat Mosley wohl mehr oder weniger dasselbe gesagt. Eine Einigung sei sehr nah, es werde eine nächste Saison geben, alle Teams werden dabei sein, und die Probleme gäbe es z.Zt. nur, weil einige wenige in der FOTA kategorisch eine eigene Serie wollten und immer wieder die längst erzielten Kompromisse ablehnten.
Re: Speed der Brawnies, Button hatte sich im Rennen u.A. darüber beklagt, dass der Unterboden böse durchschlägt und ständig aufsitzt. Das ist der Geschwindigkeit natürlich auch nicht gerade zuträglich.
Ich muss den Coup von Premiere bezüglich Heinz Prüller loben! Meiner Meinung nach wertet das die Übertragung enorm auf, wenn man zwischen den Tonspuren wechseln kann, Fachkompetenz auf der einen, jahrzehntelange Erfahrung und massenweise amüsante Anektoten auf der anderen. Macht die Formel 1 wieder interessant!