Es ist keine neue Erkenntnis, dass alle Hersteller, die in der Formel Eins vertreten sind, Weltmeister werden wollen. Sonst braucht man die Sache ja auch nicht anfangen. Doch in diesem Jahr ist für viele Teams der Erfolg wohl Pflicht.
Es ging durch die Presse, dass es bei Mercedes angeblich vor ein paar Tagen eine Abstimmung im Vorstand/Aufsichtsrat gab, ob man auch nach 2009 in der Formel Eins bleiben möchte. Das Ergebnis fiel mit drei zu zwei Stimmen denkbar knapp aus Von Renault heißt es, dass man nur dann weiter macht, wenn der Titel wieder geholt wird, bei Toyota soll mindestens ein Sieg her, ebenso bei Red Bull. Und über BMW gibt es das Gerücht, dass man im Fall einer Weltmeisterschaft sich komplett zurück zieht. Es scheint so, als ob die Probleme für die Formel Eins noch größer werden.
Normalerweise würde ich auch sagen, dass alles halb so heiss gegessen, wie es gekocht wird, aber in diesem Jahr sieht die Lage doch deutlich anders aus. Ausnahmslos alle Hersteller haben mit massiven Umsatzrückgängen zu kämpfen und das zu einem Zeitpunkt, wo nach Meinung vieler Experten, die richtige Krise noch nicht mal beim Verbraucher angekommen ist. Dass es bei Mercedes eine solche Abstimmung gegeben haben soll, würde mich nicht wundern, die Argumentation gegen die Ausgabe von 200 Millionen Euro ist ja bekannt. Man kann schlecht große Mengen von Mitarbeitern vor die Tür setzen und gleichzeitig so viel Geld in den Sport stopfen. Marketingvorteil hin oder her, es sieht einfach schlecht aus. Dazu kommt, dass man als Weltmeister eigentlich nur noch verlieren kann, wenn einem die Verteidigung des Titels nicht gelingt. Warum soll man sich das antun, zu mal ja mit der DTM zumindest in Deutschland gut vertreten ist? Und vielleicht macht es mehr Sinn nach Le Mans zurück zu kehren, wo man sich mit dem Dauerkonkurrenten Audi auseinandersetzen kann. Die Gegner der Formel Eins scheinen bei Mercedes zahlreich zu sein Das sie sich jetzt nicht haben durchsetzen können ist eine Sache, aber das bedeutet ja nicht, dass man Mitte des Jahres, sollte die Lage noch schlechter werden, die eine fehlende Stimme nicht gewinnen kann.
Bei Renault sieht die Lage noch schlechter aus. Obwohl der Konzern wegen der kleineren und sparsameren Modelle weniger leidet, steht man auch hier vor riesigen Problemen. Die Politik der letzten Jahre, die Preise der Zulieferer zu drücken, hat dazu geführt, dass man nach unten keine Luft mehr hat. Man hat in guten Zeiten die Preise schon auf ein Minimum gedrückt, jetzt geht in schlechten Zeiten nichts mehr. Das führt zu massiven Gewinneinbrüchen bei gleichbleibenden Ausgaben. Wenn man sparen möchte, dann bietet sich die Formel Eins gerade zu an. Es gibt Gerüchte, dass Briatore sich nicht deswegen weniger als Teamchef in diesem Jahr einbringen will, weil er keine Lust mehr hat, sondern weil er im Hintergrund an einem Auffangteam arbeitet, Das hat er in den 90er Jahren schon mal gemacht, nachdem Renault nicht mehr als Motorenlieferant auftreten wollte, in dem er die Firma Mecachrome gründet hat.
Toyota steht, wie der Konkurrent von Honda, vor einem Desaster bei dem PKW-Absätzen. Nun produziert der Konzern aber auf hohem Niveau, so dass man mehr Rückgang verkraften kann, als das Honda konnte. Man produziert wohl weltweit immer noch die meisten Autos, weswegen man sich auch die Formel Eins (und die NASCAR) leisten kann. Das geht aber nur, wenn mal ein paar Erfolge kommen. Ich vermute, dass es für Toyota elementar ist, dass man in diesem Jahr wenigstens einen Sieg heraus fährt, damit man, bei gleichzeitiger Reduzierung der Kosten, einen Verbleib in der F1 sichern kann.
BMW ist mir allerdings ein Rätsel. Man zwar auch verloren, aber lange nicht so schlimm wie der Rest. Dennoch gilt natürlich hier auch das Argument, dass man kaum Angestellte entlassen kann, während man gleichzeitig viel Geld in der Formel Eins ausgibt. Ein WM-Titel wäre natürlich schon erwünscht, aber dann könnte man sich als Weltmeister verabschieden, was ja immer etwas besser klingt, als wenn man sich wie Honda zurück ziehen muss.
Und allen dient Porsche als gutes Beispiel. Obwohl die Firma nur im Kundensport tätig ist (die ALMS war eine Kooperation mit Penske), verkauft Porsche Autos wie verrückt. Natürlich ist der Motorsport wichtig, aber Porsche reicht es völlig aus, wenn man in den diversen GT-Meisterschaften die Ferrari 430 stehen lässt. Damit kann man genauso gut werben und der Wagen hat von außen auch deutlich mehr Bezug zum Serienwagen, als ein Formel Eins. Mehr noch – man kann die zahme Variante des Rennsportmodells sogar für viel Geld verkaufen.
Der Exodus in der WRC sollte der FIA unter Ecclestone ein Warnsignal sein. Streitigkeiten um das Reglement, der Verlust von Traditionsveranstaltungen zugunsten von PR-Auftritten und eine schlechte Verteilung des Geldes – das sind alles Dinge, die in der Formel Eins gerade auch vorkommen.
Ecclestone hat schon verlauten lassen, dass es ihm am liebsten wäre, wenn sich die Hersteller vertraglich für eine lange Zeit an die Serie binden würden, damit er sie zur Not bis zum Abwinken verklagen kann. Die Hersteller werden sich hüten, dass zu tun.
Wie schon mehrfach erwähnt – ich glaube nicht, dass die Formel Eins 2009 noch mehr Teams verlieren wird. Aber Ende des Jahres wird das deutlich anderes aussehen. Oder anders ausgedrückt – ich sehe ausser Ferrari, Red Bull und, ironischerweise, Force India kein Team, dass sich nicht eventuell zurück ziehen könnte. Die Lage für 2010 schaut im Moment wirklich ernst aus.
Was sonst?
- VW überlegt offenbar sehr ernsthaft ab 2011 in die IRL einzusteigen. Heißt es beim Racecar Engineering (Dank an Mattzel im Chat)
- Wie ebenfalls, aber zur Abwechslung mal von mir, im Chat erwähnt, hat Murdoch grünes Licht von der BaFin bekommen, seine Teilhaberschaft ohne weiteres Angebot an die bestehenden Aktionäre aufstocken zu können. Bedeutet, dass er den Laden praktisch übernehmen kann und er kann schalten und walten wie er will. Da sich die Aktien zum größten Teil in Streubesitz finden, wird er wohl auch einen Widerstand haben. Diese Entscheidung war vital für das Überleben des Senders, denn ohne diese Zustimmung hätte Murdoch den Sender vermutlich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Das erhöht die Chancen, die NASCAR in diesem Jahr noch auf Premiere zu sehen, zumindest leicht
- Hurra, mal wieder eine Wochenvorschau: GP2 und Speedcar in Quatar und natürlich das Shootout der NASCAR in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Ab jetzt geht es im Wochenrhythmus wieder Motorsport.
03.02.2009
| Aufz. | 13:05 Uhr | CORR | Los Angeles | MotorsTV |
04.02.2009
| Aufz. | 09:35 Uhr | ARCA | Rockingham 08 | MotorsTV |
| Aufz. | 17:20 Uhr | V8 Lites | Winton | MotorsTV |
05.02.2009
| Aufz. | 12:10 Uhr | ARCA | Rockingham 08 | MotorsTV |
| Aufz. | 16:35 Uhr | CORR | Los Angeles | |
| Aufz. | 18:20 Uhr | ARCA | Rockingham 08 | MotorsTV |
| Aufz. | 20:05 Uhr | V8 Utes | Bathurst | MotorsTV |
06.02.2009
| Aufz. | 00:00 Uhr | NASCAR SC | Media Day | MotorsTV |
| LIVE | 02:00 Uhr | NASCAR SC | Shootout Auslosung | SpeedTV |
| LIVE | 17:00 Uhr | GP2 Asia | Qatar 1 | Euro 2 |
| LIVE | 22:00 Uhr | NASCAR SC | Shootout Training | SpeedTV |
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Force India siehst Du für 2010 sicher? Für mich sind die der Hauptkandidat, noch sang- und klanglos vor dieser Saison die Tore zu schliessen …
1) ist schon traurig. sollen Sie halt ein 100 Millionen Maximal Budget machen mit einer Menge Standard-Komponenten, aber manche Teams geben ja wohl nicht mal soviel im moment aus.
2) Ist irgendwie an mir vorbei gegangen, aber hab gestern ESPN America, ehemal NASN, entdeckt. Ändert das irgendwas an deren Program? Bzw. läuft da Motorsporttechnisch etwas?
3) Appropos Premiere. Wie siehts da eigentlich mit Ihren Abozahlen aus, nachdem sie die Verschlüsselung gewechselt haben. Strömen die Schwarzseher nun in Massen zu den Abos?
@NoteMe: Ja, weil sie a) eh schon ein niedriges Budget haben und b) Indien vermutlich weniger von der Krise betroffen sein wird, als Europa.
@hwk:
zu 2) ESPN hat NASN vor mehr als einem Jahr gekauft und erst jetzt umgebrandet. Am Programm ändert sich nichts. Motorsport wird es bis jetzt bei ESPNA nicht geben, da man auch keine Rechte mehr an der NW hält.
zu 3) Gute Frage. Vermutlich werden die Quartalszahlen im April eine erste Antwort geben. Ich glaub ja nicht, dass es viel gebracht hat.
Wäre es denn wirklich so schlimm wenn sich einige Hersteller aus der Formel 1 verabschieden würden? Mir persönlich hat die Formel 1 viel besser gefallen als es neben Ferrari und vielleicht 1 oder 2 anderen nur Privatteams unterwegs waren. Natürlich war die Formel 1 von damals eine andere aber die Hersteller bekamen viel Werbung indem sie als (Werks)Motorenlieferant auftraten. Das könnten sie doch wieder tun. Die Kosten wären viel geringer und der Markenname steht trotzdem am Auto.
Als ehemaliger Premiere Schwarzseher würde ich lieber auf ein Kabel deutschland Paket setzen,da ist alles drin,was bei Premiere das dreifache kostet. Premiere hat einfach einen schlechten Ruf,und sie untermauern ja auch ständig ihren Anspruch,alles zu kürzen und wegopzumieren.Allein die Tatsache,das DEL und Wrestling vermehrt im FreeTv auftauchen zeigt doch,dass man Premiere nicht braucht.Formel 1 in 16:9 macht auch RTL und eventuell auch DSF,was fehlt da noch? Golf? pfff^^ zur F1: bin mal gespannt,wie Bernie Boy seine 30 Mille pro Rennstrecke abkassieren will,wenn nur noch Teams und keine Werke fahren.Wenn Renault aussteigt,heisst das Team dann wieder Bennetton? Wird aus Toro Rosso wieder Minardi? Fand das von Anfang an idiotisch,dass der Millionär 2 Teams kauft,und beide Red Bull heissen.Mit Minardi hätte man jetzt auch noch Kasse machen können. Oder anders gefragt,wer hat Toro Rosso Fanartikel zu Hause?^^
@Don
Premieres nächste Veröffentlichung sind die Zahlen fürs vierte Quartal und volle Jahr 2008 am 16. Februar. Ich schätze mal, das Weihnachtsquartal war komplett grottig und auch die Bundesligaverlängerung konnte den Kundenschwund nicht stoppen. Die “Schwarzseher” waren eh nur Börnickes letzte Nebelkerze, würde mich wundern, wenn der aktuelle Vorstand dazu überhaupt noch einmal Stellung nimmt.
@Art Vandelay
Das Problem ist doch, dass es keine Rennställe gibt, die ein ausgestiegenes Team (ob Werk oder Privat) ersetzen könnten. Aktuell gibt es noch 8 1/2 Teams in der Formel 1, davon ist mindestens eins eigentlich Pleite, ein zweites IMHO akut von der Schließung bedroht und alle Herstellerteams außer Ferrari stehen permanent auf der Kippe.
@Wolli
Die Fälle Super Aguri, Honda und Toro Rosso zeigen eindrücklich, dass Teams nicht mal eben einen Onkel auftun können, der sie übernimmt und weiterführt. Klar kann man argumentieren, dass z.B. ein Flavio Briatore nicht nein sagen würde, wenn Renault das Team kurzfristig loswerden wollen würde, aber wer soll sich bei BMW oder Toyota für sowas interessieren? Und fährt dann bald das ganze Feld mit Ferrari-Motoren?