Formel Eins: Motorenregeln aufgeweicht

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Das konnte ich selber erst nicht glauben, aber es ist wohl wahr. Die Motoren der Formel Eins müssen zwar drei Rennen halten, aber nicht mehr hintereinander.

formula_1_engineEigentlich war es nur eine Randbemerkung von Stefano Domenicali, die kaum aufgenommen wurde. Nur James Allen nahm die Geschichte in seinem Blog auf und im ersten Moment wollte ich es gar nicht glauben. Domenicali ist der Meinung, dass man die Motoren wechseln kann, wie man möchte. Man darf halt am Ende des Jahres nicht mehr als acht Motoren verbraucht haben.

Achja – kleine Aufgabe zum Raten: Schätzt mal wie viel Zuschauer im Schnitt bei einem WTCC Rennen vor dem Fernseher sitzen. Die Auflösung gibt es weiter unten.

Tatsächlich stimmt das, denn in Article 28.4 der neuen Regeln (hier zum Download) steht kein Wort mehr davon, dass der Motor, der am Ende einer Veranstaltung im Heck ist, auch beim nächsten Rennen verwendet werden muss. Das bedeutet, dass man mit den Motoren spielen kann. Man könnte (auch wenn es wenig Sinn macht) einen Motor nur für die Quali verwenden. Was vermutlich alle machen werden: den Motor nach dem Rennen in Spa wechseln, bevor es nach Monza geht. Theoretisch könnte man also einen Motor haben, der nur für Rennen auf langsamen Strecken genutzt wird. Das ändert aber an der grundsätzlichen Tatsache nichts, dass ein Fahrer nur acht Motoren für alle Rennwochenden, inkl. der Freitagstests zur Verfügung hat. Wobei der Punkt noch offen ist, weil der Ablauf des Wochenendes noch nicht endgültig fest gelegt ist. Kann ja sein, dass man die Testzeiten am Freitag noch ausweitet.

Ob diese Änderung Sinn macht? Eigentlich nicht, denn sie bringt noch mehr Verwirrung für die Zuschauer. Raucht einem Team ein Motor im dritten freien Training ab, dann bedeutet das eben nicht mehr automatisch eine “Du, 10 Plätze nach hinten” Strafe, sondern gar nichts. Erst wenn der achte Motor abgeraucht ist, wird es ernst. Ein Blick ins letzte Jahr zeigt, dass dies wohl eher nicht zu erwarten ist. Es sei denn KERS reißt die Maschinen auseinander.

NASCAR – Amirola raus?
Es gibt in den USA Gerüchte, dass EGR nur mit drei Wagen in die Saison gehen will. Truex und Montoya sind gesetzt, wobei beim Kolumbianer nicht sicher ist, in welchen Wagen er 2009 sitzen wird. Target böte sich an, aber ich bin mir sicher, ob Wrigleys ihn von der Angel lassen will. Die letzte Werbekampgne kam ja ziemlich gut an. Und dann gibt es das Gerücht, dass Terry Labonte ins Team kommen könnte. Entweder auch in den Target Wagen, oder er würde die sponsorlose #8 übernehmen. Dafür würde man die #42 dicht machen und Wrigley zu Labonte schieben, der als Ex-Meister wohl noch den ein oder anderen Sponsor bekommen sollte. Damit wäre kein Platz mehr für Aric Amirola, der als Newcomer über nur wenig Rückendeckung im Team und bei den Sponsoren verfügt. Wenn man jetzt auch noch dazu rechnet, dass im Moment völlig unklar ist, ob der bisherige DEI Geschäftsführer Max Siegel weiter macht, könnte man zu dem Schluss kommen, dass es bei EGR drei Wochen vor dem Saisonstart nicht gerade ruhig zu geht.

Und sonst?
Premiere hat mit einer erneuten Aktienausschüttung und Bankenkapital knapp 50 Millionen frische Euro rein bekommen. Dürfte also rund zwei Monate ausreichen, aber dann soll ja ohnehin noch mal ein dreistelliger Millionenbetrag folgen, sollte die BaFin der Übernahme durch Murdoch zustimmen.

Im Handelsblatt ist heute ein Text über die WTCC aufgetaucht (Danke, Dogfood). Eigentlich weiter eine Erwähnung wert, da der Text mehr oder weniger lobhudelnd über die Serie daher kommt. Wie international sie doch sei, welche technische Reichweite sie habe, wie toll Eurosport die Rennen produzieren würde. Offenbar hat Florian Oedinger vom Magazin sponsors.de noch nie an zwei Wochenenden hintereinander ein Rennen gesehen, sonst würde er so etwas nicht schreiben. Aber davon abgesehen gibt es auch interessante Zahlen zur Einschaltquote.

In den vergangenen drei Jahren lagen die Zuschauerzahlen kaum über 200 000 im Schnitt. Der Marktanteil zwischen 1,5 und 1,9 Prozent

Da hab ich dann doch eine Augenbraue hoch gezogen. Im Schnitt 200 000 heißt, dass man zu 50% drunter liegt. Das ist für so eine Serie schon bitter. Aber auch kein Wunder. Wenn man wie Eurosport die Start- und Sendezeiten der Serie jedes Wochenende woanders hinschiebt, kann man wohl kaum mehr erwarten. Frage ich mich natürlich jetzt mal laut, ob man die 200 000 auch mit der NASCAR bei Eurosport hinbekommen würde.

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About DonDahlmann

Don Dahlmann ist Journalist, Gründer & Chefredakteur des Racingblog.

8 Kommentare zu “Formel Eins: Motorenregeln aufgeweicht

  1. 24fan
    14 Januar, 2009 at 20:58

    200.000 Zuschauer (und mehr) die sich die Nascar-Rennen ansehen, sollten bei einer europaweiten Ausstrahlung doch kein Problem sein. Von mir aus auch wieder mit dem ewigen Kommentar: “… spielt Sonne und läßt die Erde um sich kreisen …” :-)

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  2. 14 Januar, 2009 at 22:06

    Die Zahlen beziehen sich nur auf Deutschland.

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  3. Wolli
    14 Januar, 2009 at 22:13

    Von mir aus auch wieder mit dem ewigen Kommentar: “… es kracht,es züscht,zu sehen is nüscht …” :-)

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  4. Steffen
    14 Januar, 2009 at 22:40

    Die neue Motorenregel ist ja mal wieder ein toller Schuss in den Ofen. Wenn man alle Motoren verwendet, müssen die im Schnitt zwei Rennen halten, wie es in der letzten Saison war. Danach nimmt man sie als Testmotor für die Trainings und kann damit herumexerimentieren. Naja, den Motorenbauern kann es recht sein, den Top-Teams auch. Das eigentliche Ziel jedoch verfehlt die FIA aus meiner Sicht mit dieser Regel.

    Die Quote der WTCC hätte mit Sicherheit höher sein dürfen, aber wenn man sich hier http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=c&p2=28&p3= den Gesamtmarktanteil von Eurosport anschaut ist die WTCC gar nicht so schlecht dabei.

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  5. Ich
    15 Januar, 2009 at 02:43

    Wenn nun der achte Motor vor Saisonende hochgeht, muss der Fahrer bei jedem restlichen Rennen zehn Plätze weiter hinten starten? Diese noch vergleichsweise “harmlose” Strafe könnte die Team-Strategen schon zum Nachdenken bringen…

    Meiner Meinung nach sollte ein F1-Motor eh nicht länger als ein Rennwochenende halten müssen.

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  6. ethone
    15 Januar, 2009 at 12:37

    Wenn der Durchschnitt 200.000 Zuschauer ist dann heißt das NICHT dass man in 50% der Fälle darunter liegt. Das wäre nur der Fall, wenn der Median zufällig auch 200.000 Zuschauer wäre.
    Ich könnte mir vorstellen, dass es einige Rennen mit sehr schlechten (sprich Ausreißer nach unten) Zuschauerzahlen gab und diese den Durchschnitt eher gedrückt haben, vielleicht Rennen mit schlimmen Startzeiten für D. Alternativ könnte es auch einige Rennen mit sehr hohen Zuschauerzahlen gegeben haben, die den Durchschnitt nach oben gerissen haben. Da fällt mir aber kein Rennen ein, das größere Zugkraft als andere gehabt haben könnte.

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  7. nona
    15 Januar, 2009 at 16:07

    Ich biete noch ein “ich hab’ ihn, ich hab’ ihn, ich hab’ ihn… ich hab’ ihn nicht…”

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  8. 17 Januar, 2009 at 12:13

    Interessanter ist doch eigentlich: Wieviele Autos wird man Freitags auf der Strecke sehen, die dann ausführlich testen? Könnte mir vorstellen, dass man pro Wochenende einen für ein Freitagsprogramm bestimmt, der dann ein Grundsetup für den zweiten Pilot mitliefert und dieser dann in weniger Runden das Ding für sich abrundet. Ich bezweifel das die FIA damit gut fährt.

    Wobei ein Motor sicherlich auch mal vier GPs halten kann, wenn ein Fahrer früh ausscheidet wegen einer Kollision oder so. Eigentlich ganz interessant das Reglement und hoffentlich fliehen damit diese schrecklichen +10 Plätze ^^.

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