WTCC – Mexiko
Die offenen Seat Meisterschaften gewann – ein Seat. Die WTCC ist in ihrer momentanen Situation einfach kaum eine Betrachtung wert. Verglichen mit der BTCC bietet sie für den Fan nicht ernsthaft guten Sport. Was nicht mal daran liegt, dass nur drei Marken unterwegs sind. Aber warum müssen alle Wagen gleich aussehen? Sechs gelbe, sechs weiße und drei blaue Autos rumfahren zu sehen macht kaum Spaß, zu mal man nicht mal erkennen kann, welcher Fahrer in welchem Wagen sitzt. Die Fixierung der WTCC auf die Hersteller anstatt auf Teams und Fahrer geht einfach zu weit. Gestern hätte man sich auch ein beliebiges Rennen des Seat Leon Markenpokals anschauen können und ich vermute mal, dass man dabei auch mehr Spaß gehabt hätte. Sechs Seats vorne rum fahren zu sehen, die sich gegenseitig nicht weh tun, sondern nur die Konkurrenz nach hinten schieben ist langweilig. Dazu die extrem kurzen Rennen. Der zweite Lauf passte ja fast von der Länge her in die Werbepause eines NASCAR Rennens. Ich bleibe dabei – das ist einer Weltmeisterschaft einfach nicht würdig.

ALMS – St. Petersburg
Leider hat MotorsTV gestern nur eine sehr kondensierte Version des Rennens gezeigt, was den Rennverlauf nicht so richtig zeigte. Offensichtlich war es wohl so, dass Porsche und Audi während des gesamten Rennens ziemlich eng zusammen waren. Was auch an der fantastischen Quali-Runde von Marco Werner lag, der den R10 auf die Pole gestellt hatte. Während man nach dem Start im Mittelfeld verzweifelt versuchte nach vorne zu kommen, konnte man an der Spitze ein gutes Tempo anschlagen. Aber der Kurs liegt den Audis durchaus, denn schon im letzten Jahr konnte man hier gewinnen. Auf den langen Geraden haben die TDIs ihre Vorteile, in den engen Kurven kommt der Porsche zwar ran, aber nicht vorbei. Soweit ich das sehen konnte, war es ein abwechslungsreiches und bis zur letzten Kurve spannendes Rennen. Mal sehen, was die Vollaufzeichnung so bringt.

LMS – Barcelona
Das die Peugeot schneller als die R10 sind, wusste man spätestens seit dem Rennen in Sebring. Mittlerweile sind die Franzosen aber auch technisch so gut, dass die Wagen relativ gut durchhalten. Zwar verlor man gestern auch wieder ein Einsatzfahrzeug, aber der andere lief dafür in einer irrsinnigen Pace wie ein Uhrwerk. Audi sah überhaupt kein Land und man musste sogar auch noch aufpassen, dass man von dem brandneuen Lola mit dem Aston Martin Motor nicht aufgeschnupft wurde. Stefan Mücke (Gerade Vater geworden – Glückwunsch!) blieb lange in der Spitzengruppe und konnte man Ende den dritten Platz sichern. Nur zwei Runden hinter dem Audi, und drei hinter dem Peugeot. Das ist für ein Wagen, der vorher noch nie einen Renneinstatz erlebt hatte, scho sehr erstaunlich. Wenn es dem Lola Team gelingt, den Wagen bis zu den 24 H von Le Mans noch ein wenig zu verbessern, dann gibt es in der LMP1 einen echten Konkurrenten für die Diesel-Fahrzeuge. Am Speed mangelt es dem Lola auf jeden Fall nicht. Auffällig ist allerdings, dass Audi in Sebring wie in Barcelona mit Defekten zu kämpfen hatte. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass gerade die Standfestigkeit der R10 der große Pluspunkt sei. Nach dem Motto: “Lass die anderen schnell sein, wir fahren länger und gleichmäßiger.” Aber das scheint so nicht mehr zu stimmen. Weil der Peugeot so schnell ist, muss man bei Audi wohl auch mehr an die Grenzen gehen, was das Material angeht.
Das Rennen selber war eher mittelmäßig, aber diese wenigen 1000 KM Rennen sind eh nur was für hartgesottene Beobachter, die schon vor Le Mans wissen wollen, wo die einzelnen Bewerber stehen.

NASCAR – Texas
Das war mal wieder eines der Rennen, die man unter “Schnell vergessen” ablegen muss. Texas ist ein hübsches Oval, aber ähnlich wie bei anderen 1.5 Meilen Ovalen (Michigan, Atlanta) ist das Streckenlayout eher für die Langstrecke gedacht. Und da kann man auch noch recht dankbar für sein, denn das Rennen dauerte gestern schonn knapp vier Stunden. Nicht auszudenken wie lange man da sitzen würde, wenn es auch noch 15 Unterbrechnungen geben würde. Dazu kommt auch, dass die Saison sich so langsam im Rhythmus befindet. Der April gehört, ähnlich wie der Juni, zu den Monaten, in denen es vor allem darum geht, mächtig Punkte zu sammeln. Die Kür kommt im Mai (Lowes, Darlington) und im August, wenn es in den Chase geht. Also versuchen die Teams dementsprechend ruhig unterwegs zu sein.Das gilt natürlich nicht für diejenigen, die um den Sieg mitfahren. Hendrick zum Beispiel. Die würden gerne mal wieder gewinnen. Der letzte Sieg in einem Cup Rennen datiert auf den 11.11.07 in Phoenix, wenn man mal vom brotlosen Gewinn des einen Gatorade Duel durch Junior absieht. Man ist zwar immer irgendwie dran, aber eben nur fast. Junior bastelte gestern die ganze Zeit an seinem Wagen rum. Ich dachte mir schon beim ersten Boxenstopp, dass er nicht würde gewinnen können. Wer nach wenigen Runden schon an der Trackbar rumfummelt, hat größere Probleme. Und so kam es dann auch. Zehn Runden ging der Wagen gut, dann fiel er wie ein Stein durch die Wertung nach hinten. Am Ende wurde er gar überrundet. Damit hatte er allerdings einen weitaus besseren Nachmittag als Jeff Gordon, der gar nicht zurecht kam. Nach einem kleinen Einschlag in die Mauer wurde er am Ende nur letzter, was auch auch erst das zweitemal in seiner Karriere passierte. Er und sein Team hatten keine Ahnung, warum es nicht lief. Was erstaunlich ist, denn sein Partner Jimmie Johnson wurde immerhin zweiter. Ich dachte, die teilen alle Informationen? Aber da kann man mal sehen, wie nahe Erfolg und Misserfolg selbst bei einem perfekten Team wie Hendrick liegen. Wer hätte vor der Saison gedacht, dass Hendrick so erfolglos sein würde?

Stattdessen fährt ihnen und allen anderen das Roush/Fenway Team um die Ohren, ganz besonders Carl Edwards, der trotz seiner 100 Punkte Strafe seit gestern wieder in die Top 12 gesprungen ist. Offensichtlich muss man Edwards dieses Jahr auf dem Zettel haben, wenn es um die Meisterschaft geht. Er hat in Las Vegas und Fontana gewonnen. Ähnliche Strecken sind: Darlington, Lowes, Dover, Michigan und Chicagoland. Da sollte Edwards überall gut Chancen haben.
Toyota sah gestern dagegen nicht so gut aus. Auf den Shortruns ist vor allem Kyle Busch gut, aber bei den Longruns sieht es eher mau aus. Trotzdem ist es weiterhin erstaunlich, was für einen großen Schritt Toyota mit Joe Gibbs gemacht hat. Die anderen Toyota Teams sehen dieses Jahr zwar etwas besser aus, sind aber weit von den Leistungen des Gibbs Teams entfernt. Nicht vergessen sollte man das RCR Team. Die fahren recht unauffällig, aber in der Meisterschaft liegt man auf Platz 1 (Jeff Burton), 2 (Kevin Harvick) und 12 (Clint Bowyer). Man ist also sehr gut positioniert und mit dem Rennen in Phoenix nächste Woche kommt wieder ein Kurs, der den RCR Wagen liegen sollte.

Nachtrag: Ryan Newman (Platz vier) ist durch die Post-Inspektion gefallen. Sein Wagen war hinten rechts rund einachtel Inch (1 Inch = 2.4 cm) zu hoch.

IRL – St. Petersburg
Das mit Abstand beste Rennen lieferte gestern die IRL ab. Gut – das lag zu einem Teil auch am Wetter. Man startete im strömenden Regen, dann wurde es trocken, aber zwischendrin nieselte es immer mal wieder. Trotzdem gab es erstaunlich wenig Kleinholz auf der engen Strecke. Stattdessen gab es enge und gute Zweikämpfe von der Art, die man sich auch in der Formel Eins wünschen würde. Jemand meinte gestern im Chat, dass die IRL in vier Runden mehr zeigen würde, als die Formel Eins in einem ganzen Rennen. Das stimmt zumindst für das gestrige Rennen, aber der Regen und der Kurs machten das auch etwas einfacher, als der klinische Kurs in der Wüste. Zwischen den Gelblichtphasen und Regenwolken war es gestern schon fast schwer, den Rennverlauf im Auge zu halten. Manche fuhren die Regenreifen bis zum geht nicht mehr runter, manche nahmen schon Slicks, als es noch feucht war. Je nach dem wie man seinen Boxenstopp legte, konnte man von einen Top Drei Platz bis ans Ende des Feldes zurückfallen. Ach nee, nicht ganz am Ende, da rutschte Ed Carpenter rum, der weder mit dem Regen, noch mit der Strecke klar kam.

Schon im Training war klar, dass die ehemaligen CC Teams auf dem Stadtkurs ein Wörtchen mitreden würden. Das man auf den Ovalen nicht klar kommt – ok. Hier fehlt einfach die Abstimmungserfahrung. Aber ein Dallara auf einem Straßenkurs ist von der Abstimmung her offenbar nicht so unterschiedlich wie der Panoz. Und so mischten eigentlich alle CC Teams während des Rennens fröhlich vorne mit. Zweiweise lag sogar das Ex-Minardi USA Team (HVM Racing) mit Ernesto Viso in Front, der seine ganze Erfahrung aus diversen Formel Serien (British F3, GP2) einbringen konnte. Aber dann schlug am Ende hat die Stunde der Boxenstrategen und plötzlich lag Graham Rahel in Front, der sich während des Rennens noch gedreht hatte, und das halbe Feld an sich vorbei ziehen lassen musste. Der junge Rahal fuhr ein beeindruckendes Rennen. Bis auf den Dreher, bei dem er “Hilfe” hatte, sauber, schnell und fehlerlos, selbst als es wieder feucht wurde. Während das zweite US Supertalent Marco Andretti seinen Wagen direkt zu Beginn des Rennens versenkte, blob Rahal ruhig und fuhr am Ende den Sieg ein. Sein Vater Bobby “Ich lache nicht” Rahal, dessen Fahrer Ryan Hunter-Reay eh nur unter “ferner liefen” unterwegs war, freute sich sehr für das Konkurrenzteam von Newman/Haas/Lanigan, die damit ihren ersten Sieg einfahren konnten.
Den IRL Verantwortlichen wird mit dem Sieg von Rahal ein ganzer Steinbruch vom Herzen gefallen sein. Zum einen weil ein neues Team gewonnen hat, zum anderen, weil auch mal wieder ein US Bürger auf Treppchen ganz oben steht. So kann es gerne weitergehen.

Und sonst?
Uwe Alzen hat zwar beide Rennen der wirklich sehr sehenswerten Speedcar Serie gewonnen, aber leider nur bis zur Siegerehrung. Nach dem ersten Rennen stellte irgendjemand fest, dass Alzen ohne HANS System unterwegs war. Und zack – disqualifiziert. Nach dem zweiten Rennen fiel jemanden auf, dass Alzen beim Überholmanöver an Morbidelli eine sehr kreative Linie zum Überholen gefunden hatte. Anders ausgedrückt – er hatte leicht abgekürzt. Und zack – 10 Sekunden Strafe, die ihm gerade noch Platz zwei ließ. Die erste Strafe kann ich ja noch verstehen, die zweite nicht. Ok – die Kommentatoren brachen schon beim Überholmanöver in schallendes Gelächter aus, aber auf der anderen Seite war das halt ein echter “Alzen”. Sollte man in einer “Spaßserie” wie dieser nicht besser etwas, ich sag mal, lässiger in solchen Sachen sein? Wenn die NASCAR so wäre, hätte es niemals den “Pass on the grass” gegeben. In Sachen “Legendenbildung” gibt es da noch viel Nachholbedarf. Und im übrigen bin ich dafür, dass die Speedcars das ganze Jahr parallel zu F1 fahren. Die Serie zeigt deutlich, wieviel Spaß Autorennsport machen kann, wenn man auf die Technik und den ganzen aerodynamischen Quatsch verzichtet. V8, vier Gänge, viel Sicherheit und die Möglichkeit, dass man auch bei jemanden “anklopfen kann”. ohne dass ein Flügelchen abfliegt.

08.04.2008

Aufz. 09:35 Uhr ALMS St. Petersburg MotorsTV
Aufz. 17:00 Uhr LMS Barcelona Euro 2
Aufz. 17:30 Uhr Formel Eins Bahrain DSF
Aufz. 18:30 Uhr Porsche Cup Bahrain 2. Lauf Premiere
Aufz. 22:45 Uhr LMS Barcelona MotorsTV
Aufz. 00:00 Uhr LMS Barcelona Euro

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