Archive for März 16th, 2008

Formel Eins Analyse Australien / ALMS – Sebring

Posted 16 Mrz 2008 — by DonDahlmann
Category ALMS, Audi, F1, FIA, Mercedes, Motorsport

Update: Leider wird das heute Abend nichts mit dem Liveblogging. Ich muss noch arbeiten und zudem morgen um halb sieben raus, da werde ich die Arbeit nicht in die Nacht schieben können. Zudem bin ich schon was länger auf und dementsprechend müde. In 14 Tagen (Sprint Cup macht nächste Woche Pause) klappt es aber wieder. Im Chat bin aber heute Abend.

—schnipp—

Als heute morgen der Wecker klingelte, ging es mir wohl wie in paar Millionen anderer F1 Fans. Ich war sehr, sehr müde und geistig eigentlich nicht so richtig bereit sehr schnelle Autos zu sehen. Ca. 10 Sekunden nach dem Start war ich dann aber komplett wach, was sich auch erst nach der Zieldurchfahrt wieder ändern sollte. Du meine Güte – was war das für ein Auftakt.

Dabei muss man sagen, dass sich vorne eigentlich überhaupt nichts tat. Hamilton hatte nur einmal kurz Probleme, als beim Start Kubica neben ihm aufmuckte, aber den hatte schon nach der ersten Kurve um Griff. Danach lief es für ihn völlig stressfrei. Kovalainen konnte seinen Speed nicht mitgehen (obwohl der Finne insgesamt die schnellste Runde ablieferte) und auch Kubica war trotz leerem Tank nicht in der Lage Hamilton zu folgen. Der Brite hatte einen ziemlich ungestörten Nachmittag in Melbourne und fuhr am Ende dann auch einen verdienten Sieg ein. Doch dahinter ging es dann zur Sache, was vor allem am komplett unsortierten Ferrari Team lag. Man muss sich schon ein paar Jahre zurück gehen, um sich an ein derart hektisches Rennen der Italiener zu erinnern (z.B. Ungarn 2006). Vor allem Massa war völlig von der Rolle. Sein Anfängerfehler in der ersten Kurve nach dem Start, als er sich rausdrehte, weil er zu viel Gas gab, war eine Sache, die restliche Performance eine andere. Er tauchte eigentlich nicht mehr auf und blieb blass. Raikkönen amüsierte mich mit seinem Einsatz. Er ließ es krachen und probierte halt alles was geht. Und nicht alles ging dann auch so, wie er sich das vorgestellt hatte. Sein Überholversuch an Kovalainen mögen manche als überflüssig ansehen, ich bin froh, dass er es probiert hat. Fahrer, die stundenlang hinter einem Gegner rumkurven, weil sie sich nicht trauen ein Risiko einzugehen, gibt es ja nun wirklich genug. Bei seinem zweiten Fehler, als er sich hinter Glock rausdrehte, merkte man dem Finnen allerdings schon eine gewisse Lustlosigkeit an. Schon fast als traditionell muss man wohl die technischen Probleme der Italiener beim Saisonstart betrachten. Kaum ein Jahr in dem sie nicht in den ersten Rennen von irgendwelchen Kleinigkeiten gebremst werden. Das allerdings beide Fahrer mit Motorproblemen ausfielen ist dann schon alarmierend.

Im Rennen passierte ansonsten genau das, was man ein wenig erwarten konnte. Viele Fahrer waren sehr hektisch unterwegs und rutschten mit ihren Autos rum, die Ausfallquote war technisch bedingt exorbitant hoch. Eigentlich hätte sich man nur gemütlich hinten anstellen müssen, um in die Punkte zu kommen. Und genau das machte Sébastian Bourdais, der meiner Meinung nach von allen Fahrern das beste Rennen ablieferte. Gestählt durch fünf ChampCar Saisons, wo Safety Car Phasen zum Alltag gehören, war er klug unterwegs und schwamm in aller Ruhe nach vorne. Der Kampf zwischem dem vierfachen ChampCar Meister und dem zweifachen F1 Weltmeister Alonso war schön anzusehen. Der Spanier griff tief in seine Trickkiste, aber er konnte den Franzosen einfach nicht aus der Ruhe bringen. Als Kovalainen hinter Alonso auftauchte, was die Sache für Bourdais durch, und es ist wirklichn bedauerlich, dass ihn kurz vor Schluss das Getriebe verließ.

Auch die letzten zwei Runden zwischen “Kova” und Alonso waren sehenswert. Das Überholmanöver des Finnen über zwei Kurven war phänomenal gut, auch wenn er natürlich im deutlich besseren Auto saß. Das Alonso ihn wieder überholen konnte, lag im übrigen daran, dass Kovalainen auf der Start/Zielgeraden ein Abreissvisier wegwarf und dabei, warum auch immer, auf den Limiterknopf für die Boxengeschwindigkeit kam. Ebenfalls erwähnenswert: Honda. Wie schon gestern gesehen, sind die bei weiten nicht so langsam, wie es bei den Tests aussah. Das Barrichello allerdings die wichtigen Punkte wegwarf, weil die rote Ampel an der Boxenausfahrt übersehen hat, war dann mehr als dämlich. Man ist zwar nicht schlecht sortiert, aber Punkte sind für Honda im Moment nur schwer zu erlangen, wenn man sieht, wie stark der Rest unterwegs ist. Schön natürlich auch die Ergebnisse von Rosberg und Heidfeld. Allerdings hatte ich mir nach der Quali etwas mehr von den BMW erwartet. Sie sind halt doch noch ein gutes Stück von McLaren entfernt und Williams nicht weit weg.

Eine Hackordnung kann man nach dem Rennen noch nicht festmachen, dafür ist der Kurs in Melbourne einfach zu speziell. BMW war auf Kursen wie Melbourne oder Montreal schon immer gut, die aerodynamischen Anforderungen an die Wagen sind hier auch nicht so speziell. Das wird am kommenden Wochenende deutlich anders, denn Malaysia verlangt ein komplett anderen Auto. Ich bin mal gespannt, welches Team dort gut aufgestellt. Ich bin mir immer noch nicht so richtig sicher, wie gut der neue McLaren wirklich ist. Ferrari war im Winter auf mehr Strecke unterwegs und sie waren eigenlich überall schnell. Allerdings haben sie ein Problem mit den Hinterreifen. In einem Interview gab Stefano Domenicali zu, dass selbst bei der Hitze in Australien ein Problem hatte, die Hinterreifen für eine schnelle Runde auf die richtige Temperatur zu bringen. Was im Rennen ein Segen ist, stellt in der Quali ein Riesenproblem dar. Das wird man sicher nicht in sieben Tagen lösen können. Aber in Malaysia wird man schon deutlicher sehen, welches Auto wirklich die beste Gesamtperformance hat. Sicher ist allerdings – mal abgesehen von Super Aguri hat jedes Team hinter Ferrari und McLaren die Chance auf eine gute Platzierung. Das Mittelfeld ist so eng, wie seit Jahren nicht mehr und das Verbot der Traktionskontrolle ist die beste Idee, die die FIA seit Jahren hatte.

Noch kurz gemeldet:

- Super Aguri hat mit der Magma-Gruppe, die wiederum eine arabischen Investmentgesellschaft mit im Boot hat, einen Besitzer und es kann sein, dass der Rennstall auch einen neuen Namen bekommt. Details darüber gibt es aber wohl erst nach Ostern.

- Bridgestone plant für das Nachtrennen in Singapur einen Reifen mitzubringen, dessen Flanken leuchten sollen. Damit sollen die Zuschauer an der Strecke sehen können, wer mit weichen und wer mit harten Reifen unterwegs ist. Muss die FIA aber erst noch absegnen.

- Ron Dennis wird in Malaysia nicht an der Strecke sein und hat prophylaktisch schon mal verlauten lassen, dass dies nichts mit den Grüchten zu tun hat, das er das Team verlassen will. Erstaunlich war es heute aber schon, dass Dennis nach dem Rennen nur ein kurzes Statement abgab und die Analyse Martin Whitmarsh überließ.

ALMS – Sebring
Langstreckenrennen ist ja immer so eine Sache. Die Spannung erschließt sich einem naturgemäß nicht in den ersten zwei Stunden einen Rennens, sondern erst gegen Ende. So was das Rennen im letzten Jahr eng und sehr abwechslungsreich. Dieses Jahr, da muss man ehrlich sein, hielt sich die Spannung die in Grenzen und kam erst in den letzten Runden auf. Das lag einfach daran, dass sämtliche LMP1 Wagen mit technischen Problemen zu kämpfen hatten. Dass der einzige Peugeot 908 es nicht über die Distanz schaffen würde, war vorher relativ klar, dass aber auch beide Audi R10 lange in der Garage geparkt werden mussten, war dann schon eine Überraschung. Das machte aber auch deutlich, dass Audi ein kleines Problem hat. Weil der Peugeot schneller ist, muss man auch bei Audi mehr an die Grenzen gehen. Und das führt wohl dazu, dass auch bei Audi das Material höher belastet wird und demzufolge auch schneller mal ein Fehler auftauchen kann. Die LMP2 Starter sahen es mit Freude. Sowohl die Porsche als auch die Acura liefen mehr oder weniger wie ein Uhrwerk. Sie konnten zwar den Speed der LMP1 nicht gehen, aber das mussten sie am Ende ja auch nicht. Im letzten Drittel lag der verbliebene Penske Porsche mit Bernhard/Dumas/Collard bequem vor dem Kollegen des Dyson Teams in Führung. Allerdings kam gegen Ende der verbliebene Audi R 10 mit Capello/McNish/Kristensen wieder nach vorne und verpasste den zweiten Platz nur um fünf Sekunden.
In den anderen Klassen gab es leider auch wenig Spannung. In der GT1 war die Sache für die Corvette schnell klar, in der GT2 pfefferte Jamie Melo in einem Anfall von Komplettblindheit seinen Wagen gegen den Porsche von Marc Basseng. Melo hatte zuvor deutlich in Führung gelegen. Damit war der Weg für Bergmeister/Henzler/Lieb frei, die das Rennen in ihrer Klasse für sich entscheiden konnten.