- RTL wird das gesamte Rennwochenende der Formel Eins, inkl. der freien Training live als Stream im Netz zeigen. Kostenlos. Das ganze Jahr. Die Nachricht kommt etwas kurzfristig ist aber natürlich erst mal eine schöne Sache. Sauer aufstossen dürfte die Aktion Premiere, die ebenfalls einen Livestream anbieten wollen, dafür aber wenig überraschend Geld sehen möchten. Was mich ein wenig wundert, ist die Tatsache, dass Ecclestone offenbar zwei deutschen Sendern die Internet-Streaming Rechte verscherbelt und vor allem, dass er überhaupt die Streaming-Rechte aus der Hand gegeben hat. Denn bisher saß er auf den Rechten wie Glucke auf ihrem Nachwuchs. Sein Anspruch war immer, dass die Sender die Rechte exklusiv haben sollen und diese Rechte nicht durch Stream verwässert werden sollen. Und dann war da noch die Idee, wieder selber in die Berichterstattung einzusteigen und einen eigenen Stream anzubieten. Das fällt ja jetzt wohl flach. Und wieder ein Grund weniger ein Premiere Sportabo zu haben. Bisher haben die das freie Training zumindest teilweise exklusiv gehabt (bei den Europarennen macht das DSF mit). Bleibt ihnen nur noch die werbefreie Übertragung des Rennens (und nur des Rennens, die Vorberichterstattung unterbricht man), die vielen Wiederholungen im Programm und die besseren Kommentatoren.
- Bernie Ecclestone hat viel Geld mit dem Verkauf der TV-Rechte verdient, aber offensichtlich haben ihm die mehrheitlich europäischen Sender auch ins Lastenheft geschrieben, dass er die Rennen in Asien gefälligst zu einer Zeit starten soll, wo auch einer vorm Fernseher sitzt. Das kommende Rennen in Australien geht mit seiner Startzeit um fünf Uhr irgendwas ja, noch, Singapur wird unangenehmer. Seit Ende letzten Jahres liegt er den australischen und asiatischen Veranstaltern im Ohr, man möge doch bitte ein Nachtrennen einrichten, dann müsse man in Europa nicht zu früh aufstehen. Singapur hat ja schon zugesagt, jetzt soll Australien folgen. Den Veranstaltern in Melbourne geht seit Wochen damit auf die Nerven und droht damit, den GP woanders auszutragen. Jetzt hat sich die Strecke in Eastern Creek zu Wort gemeldet und angeboten, eine Flutlichtanlage zu installieren. Die Strecke ist allerdings weit davon entfernt dem F1 Standard zu genügen. Mal abgesehen von den Boxen- und Medienanlagen, sind die Auslaufzonen auch nicht gerade groß, dazu kommt, dass die Strecke eng ist. Fahrerisch sicher interessant, aber nicht mal mit den V8 Supercars kann man da überholen.
- Es mehren sich die Anzeichen, dass sich in den nächsten ein oder zwei Jahren etwas am Ablauf der F1 Rennen ändern wird. Flavio Briatore forderte schon letztes Jahr, dass man sich ein Beispiel an den GP2 nehmen sollte. Sein Vorschlag: man möge die Rennen in zwei Segmente aufteilen. Ein Quali-Rennen am Samstag, ein Hauptrennen am Sonntag. Patrick Head hat gestern die Idee geäußert, man solle etwas an der Quali ändern. Er hat scharf beobachtet, dass die, die in der Quali am schnellsten sind, im Rennen ihre Position auch halten, was zu wenig Überholmanövern führen würde. Man habe aber gesehen, dass es doch viel mehr Spaß machen würde, wenn einer der schnellen sich mal hinten anstellen muss. Ein Reverse Grid sei deswegen doch eine Idee. Naja – mal abgesehen davon, dass ich mich schon darauf freue, wenn halbe Feld mit “merkwürdigen Defekten” in der ersten Quali-Session ausrollt um vorne zu stehen, bin ich gar nicht mal der Meinung, dass der F1 Überholmanöver fehlen. Was ihr fehlt sind enge Zweikämpfe, also so Dinger, wo man auf der Sofakante sitzt, weil sich zwei oder mehr Fahrer beharken. Davon abgesehen ist es schon interessant, wenn zwei Teamleader sich öffentlich äußern und laut nachdenken. Da kommt sicher noch was.
IRL – Ohne Minardi, dafür mit HVM, und vielleicht doch mit Walker
Wenig überraschend kommt die Meldung, dass Minardi USA nicht in der IRL antreten wird. Kurz gesagt: Paul Stoddart hat keine Lust sich hinten anzustellen. Seine Analyse ist ebenso nüchtern wie zutreffend. Der Merger sei eine gute Sache, aber die ChampCar Teams haben, Patenschaften hin oder her, einfach keine Chance gegen die IRL Mannschaften, die das Material und die Strecken seit Jahren aus dem EffEff kennen. Die bisher erfolgreichen CC-Teams würden vermutlich dieses und auch nächstes Jahr nur um die goldene Ananas fahren. Darauf habe er keine Lust, aber 2010 könne man ja noch mal sehen. Lustigerweise macht das Team an sich aber weiter. Man wird unter dem Namen “HVM” unter dem bisherigen Mitbesitzer Keith Wiggins antreten. Stoddart hatte sich an HVM beteiligt und zieht sich jetzt einfach zuück.
Eine 180 Grad Wende hatPaul Walker vom Walker Racing Team angedeutet. Letzte Woche schloss er einen Start in der IRL aus, da Hauptsponsor “Australia” ausgestiegen sei, jetzt hat er verlauten lassen, dass man vielleicht doch… aber vielleicht auch nicht, und wenn, dann vielleicht nur eine halbe Saison an Start gehen würde. Grund: Offensichtlich haben etliche Sponsoren Interesse gezeigt, bei ihm einzusteigen.
F1 – Vorschau Teil II
Red Bull
Zum ersten Mal scheint Red Bull in diesem Jahr ein stimmiges Paket zu haben. Zum ersten Mal hat Adrian Newey bei RB ein Auto hingestellt, das zu laufen scheint. Es ist mit der Flosse am Heck zwar hässlich wie die Nacht, aber wenn es denn funktioniert… Trotzdem fällt es mir schwer, das Team einzuschätzen. Wie schnell die wirklich sind, wissen sie wohl selber nicht, wenn man den Aussagen der Fahrer glauben schenkt. Kann sein, dass der Wagen eine launische Diva ist, der auf einigen Strecken weit vorne ist, während er woanders im hinteren Mittelfeld verschwindet. Schafft Red Bull allerdings eine konstante Saison, dann könnten sie es sogar schaffen vor Renault zu landen. Der Grund: die Österreicher haben die bessere Fahrerpaarung. Webber ist zwar im Rennen nicht so doll, aber da er sich in den Top Ten qualifiziert, hat eine bessere Ausgangsposition als Coulthard. Erstaunlicherweise landen beide im Rennen aber oft kurz hintereinander, was bei einem verbesserten Wagen in diesem Jahr viele Punkte bedeuten können. Red Bull wird aber nicht drum herum kommen, für die Saison 2009 sich fahrerisch zu verbessern.
Toyota
Die Bestzeit beim letzten Testtag in Barcelona kam ziemlich überraschend, zu mal man während des gesamten Winters konstant rund 1.5 Sekunden hinter den Ferraris lag. Klar, da hat man den Tank leer gemacht, aber trotzdem will so eine absolute Bestzeit auch erst einmal gefahren werden. Bei Toyota geht es offenbar ein Stück vorwärts, die Frage ist halt wie in jedem Jahr – wie weit? Und: läuft der Toyota endlich auch auf allen Strecken, statt wie sonst nur auf ausgewählten? Aber der Abstand des Teams zu Williams, Renault und Red Bull ist trotzdem noch zu groß. Es fehlen doch etliche Zehntel, die man ja nun auch nicht aus dem Ärmel schütteln kann. Fahrerisch ist Toyota gut besetzt. Jarno Trulli hat die bekannten Schwächen im Rennen, aber Timo Glock halte ich für einen Fahrer, den man in diesem Jahr gut im Auge behalten sollte. Er ist auf eine Runde vielleicht einen Tacken langsamer als Trulli, aber im Rennen hat er jede Menge Biss. Der könnte dieses Jahr seinen großen Durchbruch feiern. Toyota wird sich in diesem Jahr insgesamt verbessern, aber ans vordere Mittelfeld ranzukommen wird schwer.
Scuderia Torro Rosso
Ich bin mir sehr sicher: Gerhard Berger hat in diesem Jahr die spannendste Fahrerpaarung im Feld. Das Vettel ein Ausnahmetalent ist, steht außer Frage. Aber Sebastian Bourdais würde ich mal nicht unterschätzen. Er hat bei den Tests nicht ganz die Zeiten von Vettel erreicht, aber weit weg war er nicht. Wir reden hier von vielleicht einem Zehntel. Dazu kommt, dass Bourdais deutlich mehr Rennerfahrung als Vettel hat. Zwischen den beiden dürfte es in diesem Jahr hoch her gehen. Aber genau das hat sich Berger ja gewünscht. Zwei Fahrer, die sich gegenseitig pushen und antreiben. Die Rechnung könnte aufgehen, zumindest auf niedrigen Niveau, denn bei STR hat man halt immer noch nicht die Mittel, die Red Bull hat. Man ist eben Team 2 und das sagt schon alles. Wie im letzten Jahr wird STR hier und da aufblitzen, aber um ganz noch vorne zu kommen, wird es nicht reichen. Dazu ist die Leistungsdichte an der Spitze einfach zu groß.
Force India
Mehr Geld, ein guter Designer der ein gutes Auto hingestellt hat und zwei sehr gute Fahrer – Force India wird sich in diesem Jahr aus dem Keller der Formel Eins erheben und für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Da bin ich mir sehr sicher. Ob es reicht, das starke STR Team abzufangen, wird sich zeigen, aber wenn es mal gut läuft, könnten sie auf Augenhöhe mit Toyota liegen. Das ist für das Team schon eine mächtige Leistung, allerdings sollte man auch nicht vergessen, dass im Heck des Force India ein Ferrari Motor werkelt. Mit Fisichella hat man genau den richtigen Mann im Team, der genügend Grundschnelligkeit, vor allem aber viel Erfahrung hat. Bekanntermaßen kann Fisichella, wenn er einen guten Tag hat, alles in Grund und Boden fahren. Ebenso bekannt ist aber auch seine Eigeschaft wie ein depressiver Mops unterwegs zu sein. Bei Adrian Sutil bin ich mir immer noch nicht sicher, ob wirklich so gut ist. Er hat im letzten Jahr sehr viele Fehler gemacht, auf der anderen Seite ist er halt auch immer ans Limit gegangen um den Spyker/Force India nach vorne zu bringen. An guten Tagen wird Force India trotzdem gute Chancen haben, in die Punkte zu kommen.
Honda
Eigentlich muss man Ross Brawn jetzt schon einen Ehren-Oscar für die beste schauspielerische Leistung im Winter 2008 geben. Das ihm angesichts der Leistungen des Teams nicht dauernd die Gesichtszüge entgleisen, ist schon ein Wunder. Sage und schreibe 2.5 Sekunden liegt Honda hinter der Spitze. Man ist eine Sekunde langsamer als Toyota, die zu dem ein Auto haben, das Potential hat. Und Honda? Die haben einen sehr konservativen Wagen, des Design Ansätze aus dem Jahr 2006 zu stammen scheinen. Und genau da steht man auch. Ich erwarte absolut nichts von Honda und da werden auch Button und Barrichello nichts daran ändern können, die ich prinzipiell für genauso stark wie die Red Bull Fahrerpaarung halte. Natürlich verfügt Honda über jede Menge Ressourcen und man hat schon angekündigt, dass man alles für die Formel Eins tun wird. Allein für den eigenen Markt, denn die Rivalität zwischen Honda und Toyota ist ein gesellschaftlichen Ereignis.
Super Aguri
Nachdem man Geld gefunden hat, geht es mit Super Aguri auch 2008 weiter. Erwarten sollte man allerdings wenig. Die konnten den neuen Wagen nicht testen und fahren praktisch komplett ohne Daten nach Australien. Wenn man nicht ein Wahnsinnschassis hat, dass vom ersten Tag an funktioniert, wird man Aguri nur weit hinten sehen. Das könnte sich im Laufe der Saison ändern, aber es wird sehr, sehr schwer für die Japaner überhaupt in die Punkte zu kommen.
Und sonst?
Rupert Murdochs “News Corporation” hat bei der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg eine Sendelizenz beantragt. Und zwar für eine deutschsprachige Ausgabe des “Fox Channels”. Ich frag mich nur, was Fox in Deutschland eigentlich senden will? Auf Fox laufen Serien wie “House” und “24″, aber die haben sie an RTL verkauft. Gleiches gilt für die erfolgreichen Shows “Are you smarter than a 5th grader” und “So you think you can dance” und natürlich “American Idol” die hier auf verschiedenen Sendern laufen. Sonst ist da nicht viel zu sehen. Außer Sport natürlich. Man überträgt 13 Rennen der NASCAR, dazu ein wenig Baseball und NFL. Wie hier schon ein paar Mal erwähnt, ist das aber so eine Sache mit den Sportrechten in Deutschland. Sicher – möglich ist es, dass sich Murdoch ein paar der rumliegenden Rechte schnappt um dem Sender ein wenig Profil zu geben, aber ich würde mal nicht davon ausgehen. Interessanterweise soll der Sender schon im Mai auf Sendung gehen und es gibt das Gerücht, dass er auch im Programmpaket von Premiere landet, wo Murdoch ja schon knapp 20% der Anteile besitzt. Möglich wäre auch die Vorstellung, dass er FOX in Deutschland installiert um Premiere zu kaufen damit er dem EU-Kartellamt aus dem Weg kann. Das könnte sich einschalten, wenn er versuchen sollte Premiere unter das Dach von “Sky” zu packen, aber wenn er das mit Fox macht, die in Europa meines Wissens nicht vertreten sind, dürfte das Kartellamt zwar böse gucken, aber machen könnte es vermutlich nichts. Ich werd weiterhin das Gefühl nicht los, dass wir in diesem Jahr in Sachen Murdoch und Premiere noch viel hören werden. Ich würde nicht davon ausgehen, dass man die NASCAR auf FOX wird sehen können. Die Rechte für Deutschland sind zwar weiterhin frei, aber ehrlich gesagt ist das Interesse an der NASCAR in Deutschland doch nicht groß genug, als dass man damit einen Sender ans laufen bringen kann.
13.03.2008
| Aufz. | 16:10 Uhr | ARCA | Milwaukee 2007 | MotorsTV |
| LIVE | 23:55 Uhr | Formel Eins | Australien 1. Freies Training | Premiere, RTL Stream |




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